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Presse - Details

 

"Der Knackpunkt liegt bei den Stiftungen"


"TOP-Gewinn" vom 18.12.2012

Im Steuerstreit mit Österreich zeichnet sich trotz harter Verhandlungen eine Lösung ab, ist Simon Tribelhorn, Geschäftsführer Liechtensteinischer Bankenverband, zuversichtlich.

Die Fragen stellte Raja Korinek

TOP-GEWINN: Herr Tribelhorn, das Abkommen zur Abgeltungssteuer mit der Schweiz tritt am 1. Jänner 2013 in Kraft. Wie schaut es mit Liechtenstein aus?

Tribelhorn: Aus aktueller Sicht könnte sich schon in den kommenden Monaten eine erste Einigung abzeichnen. Angestrebt wird eine ähnliche Lösung wie mit der Schweiz, zur Regulierung der Vergangenheit sowie der Zukunft mittels einer Abgeltungssteuer. Einer der Knackpunkte liegt derzeit insbesondere in der unterschiedlichen Eingangsbesteuerung bei Privatstiftungen. Während diese für österreichische Stiftungen beim Satz von 2,5 Prozent liegt, beträgt er für Liechtensteinische Stiftungen 25 Prozent.

TOP-GEWINN: Wird das angestrebte Abkommen ausreichen, um den "Beigeschmack" der Beihilfe zur Steuerhinterziehung auf dem Finanzplatz Liechtenstein loszuwerden?

Tribelhorn: Ich denke schon. Zeitgleich ist die Revision des bestehenden DBA (Doppelbesteuerungsabkommens) zwischen Österreich und Liechtenstein geplant. Darin soll auch der Informationsaustausch gemäß OECD-Standard* umgesetzt werden.

TOP-GEWINN: Dann könnten einige Kunden verlockt sein, noch rasch ihr Vermögen in Tochterbanken etwa in Singapur oder Hongkong zu verschieben?

Tribelhorn: Ein allfälliges Unterwandern ist weder in unserem Interesse noch in demjenigen der Kunden selbst. Vergangenen September haben wir ohnedies eine verbindliche Richtlinie an alle Banken erlassen, derartigen Transaktionen nicht aktiv Vorschub zu leisten.

TOP-GEWINN: Laut Jahresbericht 2011 vom Liechtensteinischen Bankenverband schrumpfte das verwaltete Vermögen allein im Vorjahr um 3,5 Prozent. Kommen dem Finanzplatz die Kunden dennoch ab handen?

Tribelhorn: Der größte Teil des Rückgangs ist Performance-bedingt und auf die schwache Marktlage sowie den starken Schweizer Franken zurückzuführen. Wir stellen aber fest, dass zahlreiche Kunden trotz Selbstanzeige bei ihrer Privatbank in Liechtenstein geblieben sind. Insgesamt konnten sich die liechtensteinischen Banken gut behaupten. Rechnet man die Auslandstöchter hinzu, gab es auf konsolidierter Basis einen Nettoneuzufluss von 7,1 Milliarden Schweizer Franken, ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2010.

TOP-GEWINN: Wo sehen Sie die Zukunft des Finanzplatzes Liechtenstein?

Tribelhorn: Wir positionieren uns als kleiner, aber feiner und nachhaltiger Finanzplatz in Europa. Wir setzen noch stärker auf eine umfassende, qualitativ hochwertige Vermögensberatung und wollen mit Stabilität punkten. Im Schnitt weisen unsere Banken eine Kernkapitalquote von 17,2 Prozent aus. Liechtenstein ist zudem das erste Land, in dem die AIFM-Richtlinie** der EU dem Parlament zur Umsetzung in nationales Gesetz vorliegt, Ende Dezember wird eine endgültige Entscheidung getroffen. Nach der Umsetzung in nationales Recht können sich internationale Anbieter von Alternative Investments in Liechtenstein niederlassen und von dort aus mittels eines sogenannten EU-Passes grenzüberschreitend ihre Produkte anbieten.

*) Artikel 26 des OECD-Musterabkommens verpflichtet Staaten zum Austausch von Informationen - bei begründetem Verdacht - die für die Durchsetzung von Steuergesetzen in den Vertragsstaaten voraussichtlich von Bedeutung sind. Das Bankgeheimnis gilt ebenso wenig als Ausrede, die Amtshilfe zu verweigern, wie, dass ein Delikt im eigenen Land nicht als solches gewertet wird.

**) Die AIFM-(Alternative Investmentfundmanager-)Richtlinie reguliert etwa Manager von Hedge-Fonds sowie deren Produkte und muss spätestens im Sommer 2013 umgesetzt werden.

Bild: Simon Tribelhorn, Geschäftsführer Liechtensteinischer Bankenverband: "Wir stellen fest, dass zahlreiche Kunden trotz Selbstanzeige bei ihrer Privatbank in Liechtenstein geblieben sind."

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