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Gefangen im Stiftungszweck? Ein Praxisblick
in die reale Welt der Stiftungen

"Börsen-Kurier" vom 02. November 2017

Über Stiftungen wird in Österreich seit Jahren viel geschrieben, sehr oft geht es dabei allerdings bloß um „Reichen- Bashing“. Ein neues Buch - „Gefangen im Stiftungszweck - Ein Praxisblick auf die reale Welt der Stiftungen“ – lässt nun Stifter, Stiftungsvorstände, Stiftungsprüfer, Begünstigte, Vorstände und Aufsichtsräte von Stiftungsbeteiligen und Stiftungsberater selbst zu Wort kommen. Es ermöglicht somit erstmals einen Blick hinter die Kulissen der rund 3.200 Stiftungen in Österreich, an denen zahlreiche Firmenbeteiligungen und insgesamt 400.000 Arbeitsplätze hängen.

Vorgestellt wurde das soeben im Verlag LexisNexis erschienene Fachbuch am 10. Oktober bei einem Autoren- Dinner in Wien. Es fand auf Einladung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) Österreich im Justizcafe auf dem Dach des Justizpalasts statt. Die knapp 100 Gäste, viele von ihnen selbst Stifter oder Stiftungsvorstände, wurden von Hermann Wonnebauer, Vorstandsmitglied der ZKB Österreich, und Silvia Richter, die das Private Banking des Instituts in Wien leitet, begrüßt.

Alle drei Buch-Autorinnen - Alix Frank-Thomasser, Martina Heidinger und Brigitta Schwarzer - beschäftigen sich beruflich intensiv mit dem Thema Stiftungen, kooperieren seit längerem und ließen ihre ganz persönlichen Erfahrungen in das Buch einfließen. Frank-Thomasser ist Anwältin mit Schwerpunkt Gesellschafts- und Stiftungsrecht und hat selbst Mandate als Stiftungsvorstand. Heidinger ist Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin, sie prüft unter anderem auch Stiftungen. Schwarzer, die Geschäftsführerin von INARA, einer Governance und Compliance Plattform für  Stiftungs-)Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte, ist gerichtlich beeidete Sachverständige für D&O-Versicherungen.

Weil Privatstiftungen vor allem dafür gedacht sind, Familienvermögen zusammenzuhalten und damit für kommende Generationen vorzusorgen, sollte der Gesetzgeber laut Frank-Thomasser sich Gedanken machen, den Familieneinfluss zu stärken und auch überlegen, wie man - wenn nötig - künftig einen wirtschaftlich erträglichen Exit aus der Privatstiftung ermöglichen kann. Derzeit erweist sich die Stiftung in solchen Fälle aus steuerlichen Gründen meist als „Mausefalle“. Heidinger verwies anhand eines praktischen Beispiels darauf, dass in Stiftungen sehr oft das Interne Kontrollsystem (IKS) ein „Stiefkind“ sei und die entsprechende Dokumentation nur mangelhaft erfolge. Hier seien vor allem Stiftungsvorstände gefordert.

„Herzstück“ des 152 Seiten starken Buchs sind insgesamt 18 Interviews mit Stiftern, Stiftungsvorständen, Begünstigten, Vorständen und Aufsichtsräten von Stiftungsbeteiligungen sowie Steuer-, Vermögens-, Immobilien und Versicherungsberatern. „Stiftungen ticken anders - und alle ähnlich“, so das Resümee von Schwarzer, welche die Mehrzahl der Interviews führte und zunächst mit etlichen Absagen zu kämpfen hatte, ehe sie ihre Gesprächspartner befragen konnte. Egal ob Stifter selbst, Stiftungsvorstände oder Begünstigte - sie alle legen höchsten Wert auf Diskretion. Auch wenn viele der heimischen Stiftungen seit Jahren erhebliche Mittel für wohltätige Zwecke locker machen, erfährt man kaum etwas davon. Die Stiftungen sollten sich künftig stärker an der Devise - „Tu Gutes und rede darüber“ - orientieren, so Schwarzer. Damit könnte man auch die öffentliche Meinung, die derzeit Stiftungen oft bloß als Geldversteck von Superreichen oder zumindest als Vehikel zur Steuervermeidung sieht, langfristig verändern. Alle Interviewten waren übrigens der Meinung, dass Stiftungen nicht vom Aussterben bedroht sind, sondern auch künftig ihre Berechtigung haben werden.

Wirtschaftsminister Harald Mahrer, der auch ein Vorwort zum Buch beisteuerte, sieht in Österreich großes Zukunftspotenzial für gemeinnützige Stiftungen. red.