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Presse - Details

 

"Grasser und Hypo tun Finanzplatz weh"


"Salzburger Nachrichten" vom 01.10.2012

von Helmut Kretzl

Österreich und Liechtenstein wetteifern um die Gelder reicher Privatpersonen, die zu attraktiven Konditionen in Privatstiftungen veranlagt werden können. In dieser Hinsicht hätten beide Finanzplätze ihre Vor- und Nachteile, meint Christoph Kraus, Vorsitzender des vor 15 Jahren gegründeten österreichischen Stiftungsverbands.

Österreich als Stiftungssitz habe im Unterschied zu Liechtenstein den Vorteil, weltweit als seriöser Standort anerkannt zu sein, sagt Kraus im SN-Gespräch. „Unsere Stiftungen sind transparent, haben Rechtssicherheit und deutlich strengere Bestimmungen, was den Stiftungsvorstand betrifft“, führt der Experte an. So brauche eine Privatstiftung hier mindestens drei eigenständige Vorstände, während in Liechtenstein auch Begünstigter oder Stifter selbst als Vorstand auftreten könnten.

Allerdings habe im kleinen Nachbarland ein Umdenken eingesetzt, konstatiert Kraus: „Liechtenstein ist sehr interessiert, ein Finanzplatz zu sein ohne den Hautgout von Steuerparadies und Schummelei.“ Das würden Abkommen wie jenes mit dem Vereinten Königreich belegen. Auch Österreich verhandelt mit Liechtenstein ein Steuerabkommen, das 2013 in Kraft treten soll. Druck in diese Richtung habe auch die Diskussion um Liechtenstein-Stiftungen von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser sowie der Kärntner Hypo-Bank gemacht: „Fälle wie Hypo Alpe Adria oder Grasser sind für den Finanzplatz sicher ein Problem“, sagt Kraus. Genau das will Vaduz mit seiner neuen Politik jetzt ändern.

Das könnte heimische Privatstiftungen unter Druck bringen, die gegenüber Liechtenstein bisher als solid und seriös punkten konnten. Dabei weise Österreich als Stiftungsstandort auch schon bisher Schwachpunkte auf, meint Kraus. So sehr, dass Berater Interessenten mitunter von einer Veranlagung in Österreich abraten würden. Gewarnt wird vor einem „Mausefalleneffekt“. So liefen ausländische Privatstifter Gefahr, durch nachträgliche Steueränderungen „gemolken“ zu werden. Und ein Abzug wäre teuer, jede Vermögensentnahme aus der Stiftung wird mit 25 Prozent besteuert. „In 20 Jahren wurde die Besteuerung von Privatstiftungen in Österreich 14 Mal verändert“, klagt Kraus.

Insgesamt blickt der Stiftungsexperte Begehrlichkeiten der Politik auf Stiftungsvermögen aber gelassen entgegen. Denn sämtliche Versuche, Privatstiftungen höher zu besteuern, hätten sich als „Schlag ins Wasser“ erwiesen. Kraus erinnert an die Erhöhung der Stiftungssteuer samt Einführung einer Zwischensteuer von 12,5 Prozent auf angefallene Zins- und Veräußerungsgewinne im Jahr 2001, die nur einen Bruchteil der erhofften Maßnahmen gebracht habe. Solche Angriffe hätten potenzielle Stifter verschreckt. Für Kraus „eine sehr unkluge Politik, mit einem Bekenntnis zu Rechtssicherheit und Kontinuität hätte man mehr erreicht“.

Statt neuer Angriffe auf Vermögen rät Kraus dem Bund zur Senkung der Ausgaben. Kapitalsteuern würden nur etwas bringen, wenn sie breit auf den Mittelstand ausgedehnt würden. Das wäre aber „politisch ein Wahnsinn“. Und große Vermögen würden dann aus Österreich abgezogen.

In den 3400 heimischen Privatstiftungen parkt ein geschätztes Vermögen von rund 70 Mrd. Euro. Die Zahl der Neugründungen sinkt seit Jahren. Als Mindestgröße setzt Kraus 30 bis 50 Mill. Euro an, darunter seien die Kosten zu hoch. In diese Kategorie gehört für Kraus auch die Stiftung um den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf, die er inhaltlich aber nicht kommentieren könne.

Ende 2012 legt Kraus seine Funktion als Chef der Kathrein Bank zurück. Künftig will er vermögenden Familien mit einem Partner die Beratungsdienstleistung eines „multi family office“ anbieten, also individuelle Beratung und Service, um Vermögen ab 30 Mill. Euro zu erhalten und zu mehren. 250 Familien dieser Größenordnung gibt es derzeit in Österreich, ein Zehntel davon will Kraus als Kunden gewinnen.

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