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Presse - Details

 

Steuerabkommen mit Schönheitsfehler


"WirtschaftsBlatt" vom 06.02.2013

von Thomas Wilhelm

Pünktlich wurde das Steuerabkommen mit Liechtenstein unterfertigt, wobei der Regelungsinhalt über weite Strecken jenem des Abkommens zwischen Österreich und der Schweiz entspricht. Betroffene Anleger haben die Wahl zwischen einer pauschalen bzw. anonymen Abgeltungssteuer in Höhe von 15 bis 38 Prozent des relevanten Vermögens oder einer strafbefreienden Offenlegung der Einkünfte der letzten zehn Jahre.

Die Erfahrungswerte aus den zum Großteil schon abgeschlossenen Schweiz-Fällen haben gezeigt, dass die Offenlegung so gut wie immer deutlich günstiger ist als die Pauschalsteuer, wobei dieser Effekt umso deutlicher ist, je größer das betroffene Vermögen ausfällt.

Anders als in der Schweiz sind vom Abkommen mit Liechtenstein vor allem auch Stiftungen erfasst, wobei als weitere Besonderheit der Umstand hervorzuheben ist, dass dabei das jeweils weltweit innerhalb einer Stiftung veranlagte Vermögen herangezogen wird, also bis hin zu Depots in Panama, aber auch weniger exotischen Destinationen.

Wenn man hingegen weiß, dass Stiftungen oft auch Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und dergleichen halten, diese jedoch nicht von der Amnestiewirkung erfasst sind, so stellt dies für viele Stifter einen erheblichen Schönheitsfehler dar. Nach den Wünschen des Finanzministeriums hätten auch möglichst alle sonstigen Vermögenswerte umfasst werden sollen. Die Problematik der Bewertung hätte man über entsprechende Gutachten auch noch in den Griff bekommen können.

Die erzielte kleine Lösung hilft daher nur Stiftungen mit reinem Finanzvermögen, alle anderen unterliegen zwar auch der Pauschalsteuer, jedoch ist damit immer nur ein Teil amnestiert. Einziger Ausweg für derartige gemischte Stiftungen ist daher die Offenlegung -also auch in jenen Fällen, in denen die pauschale Abgeltung günstiger gewesen wäre oder der Betroffene eigentlich um jeden Preis anonym bleiben wollte.

Schwarzgeld

Für Stiftungen mit reinem Finanzvermögen versteckt sich im Abkommen jedoch auch eine nette Optimierungsmöglichkeit. Zwar kann seit 29. Jänner 2013 das amnestiefähige Vermögen nicht mehr durch (direkte oder indirekte) Überweisungen von Schwarzgeld aus Österreich erhöht werden, jedoch erscheinen Vermögenstransfers aus anderen Ländern bzw. Steueroasen von dieser Einschränkung nicht betroffen. Diese Möglichkeit war im Abkommen mit der Schweiz nur eingeschränkt vorhanden, da dort eine Deckelung vorgesehen war.

Ein derartiges Pooling in Liechtenstein macht natürlich nur Sinn, wenn man im Anschluss die anonyme Pauschallösung wählt. Nachdem für die Betroffenen bis zu einer finalen Entscheidung noch über ein Jahr -bis 31. Mai 2014-Zeit ist, sollten keine voreiligen Maßnahmen getroffen, sondern mit der nötigen Umsicht die individuell passendste Lösung gesucht werden.

Der Autor: Thomas Wilhelm ist Partner bei Ernst &Young und leitet dort den Bereich Asset Management Tax

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