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"Stiften ist ein Grundbedürfnis"


"Salzburger Nachrichten" vom 17.04.2013

von Helmut Kretzl

Als Instrument der Zivilgesellschaft seien sie dem Staat allemal lieber als Figuren wie Robin Hood, sagt ein Experte. Österreich tickt dabei aber anders als die übrigen Länder.

Helmut Kretzl Rupert Graf Strachwitz ist Stiftungsvorstand und Wissenschafter. Er sieht Josef II. und die Neutralität als Gründe dafür, dass Stiftungen in Österreich meist privaten Zwecken dienen, während in anderen Ländern die Gemeinnützigkeit im Vordergrund steht.

Sie haben beim Spendentag in Wien über die Rahmenbedingungen für Stiftungen gesprochen. Wohin geht der Trend?

Strachwitz: Das Misstrauen gegen Markt und Staat wächst, die Zivilgesellschaft wird immer wichtiger, überall wird Partizipation eingeführt. Das verlangt Engagement in Zeit und Geld. Vor 20 Jahren war das anders, da hat man in Kontinentaleuropa gesagt, dafür muss der Staat sorgen. Davon verabschieden wir uns. Nicht aus finanziellen Gründen, in Deutschland nimmt die öffentliche Hand jährlich eine Billion Euro ein. Es geht um das Grundbedürfnis sich zu engagieren, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Was sind die Ursachen dafür?

Strachwitz: Es gibt Enttäuschung über das Versagen des Staates und des Markts. Und immer mehr Leute wollen einen Sinn sehen bei dem, was sie tun. Ob auch die Krise eine Rolle spielt, kann man noch nicht festmachen.

Es sind also gute Zeiten für Stiftungen?

Strachwitz: Deutschland tut immer wieder etwas für Stiftungen, die gegenüber anderen Organisationsformen der Zivilgesellschaft wie Vereinen privilegiert sind. Dahinter steht ein fiskalisches Interesse des Staates. Politiker hoffen, dass sie einen neuen Topf anzapfen können. Stiftungen sind innerhalb der Zivilgesellschaft der strukturkonservative Teil. Dem Staat ist die Stiftung eines pensionierten Unternehmers lieber als ein Robin Hood. Die macht ihm nicht so viele Schwierigkeiten. Aber ich glaube, diese Rechnung geht nicht auf. Denn Stiftungen unterstützen immer weniger den Staat, sondern suchen sich ihre Partner lieber bei anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Wozu sind Stiftungen nötig?

Strachwitz: Die Gesellschaft würde sie nicht brauchen. Aber Stiften ist eine anthropologische Grundkonstante. Menschen haben das Bedürfnis etwas herzuschenken – übrigens auch Affen. Dann gibt es ein Grundbedürfnis in Erinnerung zu bleiben. Das spielt beim Stiften eine unglaublich große Rolle, deshalb lassen sich Leute ja auch Grabsteine setzen. Und drittens gibt es ein Grundbedürfnis seinen Willen durchzusetzen. Das alles kann man über eine Stiftung wunderbar verwirklichen.

Anders als in Deutschland oder den USA gibt es in Österreich kaum gemeinnützige Stiftungen.

Strachwitz: Kein Land hat die Idee der französischen Aufklärung, alle Konkurrenten des öffentlichen Einflusses zu beseitigen, so radikal umgesetzt wie Österreich unter Josef II., der viele Stifte und Stiftungen schließen ließ. Auch die Neutralität spielt eine gewisse Rolle. In den 1950er-Jahren wurden in Westdeutschland viele Stiftungen wie die von Thyssen oder von VW unter US-Einfluss gegründet, in Österreich war das nicht der Fall. In den 1990er-Jahren hat Österreich das Privatstiftungsgesetz gemacht, um den Kapitalabfluss zu stoppen und Kapital ins Land zu holen.

Steuerbetrug hat Stiftungen in ein schiefes Licht gerückt.

Strachwitz: Stiftungen müssen für Transparenz sorgen und ein Klima schaffen, dass die Bürger sagen: Gut, dass es sie gibt. Manche Stiftungen sind auch arrogant und sagen: Wir wissen ohnehin, womit wir die Welt beglücken.

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