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Presse - Details

 

"Stiftungen halten Vermögen zusammen"


"Salzburger Nachrichten" vom 19.11.2013

von Bernhard Schreglmann, Salzburg (SN)

Im September jährte sich die Einführung der Privatstiftung in Österreich zum 20. Mal. Vor allem für Familienunternehmen bleibt sie eine attraktive Möglichkeit, Vermögen in einer Hand zu halten.

Inzwischen ist es schon wieder 20 Jahre her, dass in Österreich die Möglichkeit zur Errichtung einer Privatstiftung eingeführt wurde. „Sofern es künftig nicht zu derzeit nicht absehbaren Veränderungen kommt, wird die Privatstiftung für die nächsten 100 Jahre eine bedeutende Eigentumsform von namhaften Familienunternehmen bleiben“, stellt der Stiftungsexperte von Contrast Management-Consulting, Martin Unger, fest. Aus seiner Sicht wird es sowohl für das einzelne Unternehmen als auch für den Wirtschaftsstandort Österreich entscheidend sein, Stiftungen so zu gestalten und zu führen, dass sie ihre Rolle als unternehmerische, professionelle und verantwortungsvolle Eigentümerin von Unternehmen wahrnehmen und damit ein „guter Hort“ für diese sein können. Familiäres Vermögen Seit Einführung des Privatstiftungsgesetzes 1993 (PSG) wurden in Österreich zirka 3300 Stiftungen errichtet. Rund 3500 österreichische Unternehmen, darunter die Mehrzahl der 100 größten Familienunternehmen, sind mittlerweile im (Mit-)Eigentum von Stiftungen. „In keinem anderen Land hat die Privatstiftung als Eigentümerin von Unternehmen eine derart hohe Bedeutung wie in Österreich. Es ist erstaunlich, wie viele Personen sich dazu entschieden haben, ihre Unternehmen und ihr sonstiges Vermögen in Stiftungen einzubringen und damit freiwillig ihr Eigentum aufzugeben“, betont Unger.
 
Die Motive bei vielen Stiftern waren in der Regel steuerliche Vorteile sowie erbrechtliche Überlegungen (Vermögenszusammenhalt). Einmal in der Stiftung, ist eine Rückführung des Vermögens vor Ablauf der regulären Stiftungsdauer von 100 Jahren in der Regel nicht möglich, auch wenn diese wirtschaftlich sinnvoll wäre. Bei vielen Stiftungen ändert sich nach deren Errichtung im gelebten Alltag sowohl für den Stifter als auch für die betroffenen Unternehmen zunächst wenig, da der Stifter weiterhin „auf Zuruf“ führt und der Stiftungsvorstand dessen Wünsche umsetzt. Nicht selten nimmt der Stifter weiterhin die dominierende unternehmerische Rolle ein.
 
Die Situation ändert sich jedoch schlagartig, wenn der Stifter seine unternehmerische Rolle in der Stiftung bzw. den Beteiligungsunternehmen plötzlich nicht mehr wahrnehmen kann und der Stiftungsvorstand in der Lage sein muss, selbst unternehmerische und strategische Entscheidungen zu treffen und die Stiftung mit den Beteiligungen weiterzuentwickeln.
 
Viele Stifter sind sich der weitreichenden Konsequenzen, die der Übergang der tatsächlichen Unternehmerverantwortung auf den Stiftungsvorstand nachhaltig mit sich bringt, nicht bewusst. Die Mehrzahl der Stiftungen, die Unternehmensbeteiligungen halten, ist auf die Zeit nach dem Rückzug des Stifters und die damit verbundenen Herausforderungen nicht adäquat vorbereitet.
 
„Die Praxis zeigt, dass gegenwärtig in vielen Stiftungen unternehmerische Elemente und klare Anforderungen an das Stiftungsmanagement fehlen. Ist die Stiftung auf ein plötzliches Abtreten des Stifters nicht vorbereitet bzw. der Stiftungsvorstand dafür nicht geeignet, droht eine risikoaverse ,Verwaltung‘ des Unternehmens und des restlichen Stiftungsvermögens mit Erstarrungstendenzen“, erläutert der Experte.
 
Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Judikate für die Stiftung richtungsweisende Entscheidungen getroffen haben. Oft haben sich auch in den Sphären der Stifter bzw. der Familie oder auf Unternehmensebene Änderungen ergeben, sodass viele Stiftungen einen Reparaturbedarf aufweisen. Erstaunlicherweise wurden zirka 40 Prozent der Stiftungen seit ihrer Errichtung niemals verändert oder weiterentwickelt.
 

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