VÖP Veranstaltungen

Verdienen Stiftungsvorstände was sie verdienen?

By 1. November 2016 Mai 31st, 2019 No Comments

„Verdienen Stiftungsvorstände, was sie verdienen?“

Die Vergütung der Stiftungsvorstände ist in rund zwei Drittel der Privatstiftungen nicht geregelt – Änderungen sind dringend nötig

„Verdienen Stiftungsvorstände, was sie verdienen?“ war die Frage, die sich ein hochkarätiges Podium anlässlich einer VÖP-Abendveranstaltung am 15. November 2016 stellte und dafür viele praktische und brauchbare Antworten fand. Der Verband Österreichischer Privatstiftung hatte zur Podiumsdiskussion in den Spiegelsaal des Kaiserpalais in der Wiener Innenstadt eingeladen. Der Saal war mehr als voll, einige Gäste mussten sich (leider) mit einem Stehplatz begnügen.

Vor fast 70 fachkundigen Gästen beleuchtete Frau Univ.-Prof Dr Susanne Kalss in ihrer Keynote anschaulich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Entlohnung des Stiftungsvorstandes. Letztlich müsse diese mit den konkreten Aufgaben der jeweiligen Stiftung abgestimmt sein. So unterscheide sich etwa eine auf die Verwaltung eines Wertpapierportefeuilles bezogene Stiftung deutlich von einer Stiftung zur Steuerung eines Industriekonzerns oder etwa auch einer Forstverwaltung, die im ureigentlichen Sinne eine operative Führung verlangt. Dennoch lasse das Gesetz den Schluss zu, dass die Funktion des Stiftungsvorstandes weniger Gemeinsamkeiten mit der Funktion des Vorstandes in einer Aktiengesellschaft als vielmehr mit jener eines Aufsichtsrates habe, so Kalss, denn dem Stiftungsvorstand komme auch und vor allem eine beaufsichtigende Funktion zu.

Regelungen im PSG

Im § 19 PSG ist die Aufwandsvergütung für Stiftungsvorstände geregelt. Im Wortlaut:

„Soweit in der Stiftungserklärung nichts anderes vorgesehen ist, ist den Mitgliedern des Stiftungsvorstands für ihre Tätigkeit eine mit ihren Aufgaben und mit der Lage der Privatstiftung in Einklang stehende Vergütung zu gewähren. Die Höhe der Vergütung ist, soweit in der Stiftungserklärung nichts anderes vorgesehen ist, auf Antrag eines Stiftungsorgans oder eines Organmitglieds vom Gericht zu bestimmen.“ Für die Praxis empfahl Frau Prof. Kalss eine Abrechnung nach Zeitaufwand und auf Basis von für Berater üblichen Stundensätzen.

Engagierte Podiumsdiskussion

Im Anschluss daran diskutierten Dr. Cattina Leitner (Stifterin und Juristin), Dr. Christoph Szep (Rechtsanwalt), Dr. Herbert Brunner (Personalexperte) und Dr. Werner Festa (Stiftungsprüfer) unter der fachkundigen Moderation von Gerlinde Maschler ihre praktischen Erfahrungen und Empfehlungen für die Stiftungspraxis. Generell konstatierten die Experten einen Trend zur Annäherung an Aufsichtsratvergütungen und unterstrichen damit die Aussage von Frau Prof. Kalss.

Zeitaufzeichnung und Stundensätze

Entgegen den Gebräuchen in den Anfangszeiten, als die Mitwirkung in einem Privatstiftungsvorstand oft als Freundschaftsdienst geleistet wurde und sich die Entschädigungsfrage nicht stellte, erfordern die zunehmenden Aufgaben und steigenden Verantwortlichkeiten des Stiftungsvorstandes dringend klare Regelungen. Doch eine sachgerechte Abgrenzung der Tätigkeit als Stiftungsvorstand von Beratungsaufgaben sei nicht immer leicht. Festa verwies aus persönlicher Wahrnehmung darauf, dass viele, vor allem kleinere Stiftungen keine stifterliche Vergütungsregelung aufweisen, sodass das Gericht die Vorstandshonorare festsetzen müsse. Hier waren sich die Experten mit dem lebhaft mitdiskutierenden Publikum einig, dass eine Honorarfestsetzung durch das Firmenbuchgericht nicht der Weisheit letzter Schluss wäre und die Stifter ihre Änderungsrechte – unter anderem auch im Lichte des Generationenwechsels in Stiftungen – rechtzeitig dazu nützen sollten, solche Lücken zu schließen. Eine Vergütungsregelung nach Zeitaufwand, eventuell ergänzt durch einen Risikozuschlag, falls Haftungsfragen schlagend würden, wären jedenfalls pauschalen oder erfolgsabhängigen Varianten vorzuziehen. Dies erfordert genaue Zeitaufzeichnungen für die Berechnung. Eine Orientierung an üblichen Beraterhonoraren von einem Stundensatz zwischen 300 und 350 Euro sei zulässig und angemessen.

Nach einer engagierten Diskussion wurden beim anschließenden Buffet in kleineren Kreisen noch lebhafte Gespräche geführt. Fotos finden Sie hier.

Gerlinde Maschler

Kommunikation & Mitgliederbetreuung